Studio Arbor Vocalis
Systemische Hörtherapie und Hörtraining für Musiker nach Dr. A. Tomatis

Diplom-Musikpädagogin Svetlana Gelbard

Hörtraining für Musiker nach der Alfred Tomatis-Methode

Alexej Hoertherapie

Jeder Musiker braucht berufsspezifische Eigenschaften. Einige dieser  Eigenschaften sind hervorragende Intonation, Rhythmusgefühl, Technik, Konzentration, gutes Gedächtnis und Selbstbewusstsein. All diese  beruflichen  Anforderungen setzen eine hochgradig flexible Reaktionsfähigkeit des Gehirns voraus. Eine gute Hörwahrnehmung und -verarbeitung sowie differenzierte Hörfähigkeit sind mit einer feinen Motorik im Zentralnervensystem (ZNS) verkoppelt. Darüber hinaus soll ein professioneller Musiker – als Voraussetzung für beruflichen Erfolg und Glück – neurophysiologisch ausbalanciert sein, d. h. über eine gute Körperwahrnehmung, Atmungskontrolle sowie eine Steuerungsfähigkeit der eigenen Emotionen verfügen können.

Leider sind Musiker häufig wegen hohen beruflichen Anforderungen überlastet. In der Folge können Stress und körperliche Verspannungen auftreten. Zudem kann die hohe Lärmbelastung in ihrem musikalischen Umfeld zu Tinnitus, Hörsturz und frühzeitig beginnende Schwerhörigkeit führen.

Besonders junge Musiker, die sich für einen professionellen Weg entschieden haben und sich für zahlreiche Vorspiele vorbereiten müssen, sind oft durch psychischen Stress belastet. Vor den kurzen Minuten eines Auftritts stehen oft viele Jahre harte Arbeit. Bei Prüfungen ist besonders wichtig, sich zu öffnen sowie wach und brillant zu sein. Der kurze Moment auf der Bühne ist entscheidend für ihren weiteren künstlerischen Weg.

Leider treten in solchen Stresssitationen oft unbewusste tief verborgene persönliche Probleme in Erscheinung.  Die Nervosität versteift und verkrampft den ganzen Körper, der Puls steigt, die Atmung stockt. Als Folge verliert der Künstler seine Stütze, sein „Ich“-Zentrum, die Kontrolle und die Konzentration. Er ist kraftlos. Wegen der psychischen Blockaden kann er sein technisches und kreatives Potential nicht entfalten. Ein solches Fiasko führt zu tiefer Verletzung, Unsicherheit, im schlimmsten Fall zur Depressionen und schließlich zum Berufswechsel.

Warum können sich manche Musiker auf der Bühne sich konzentrieren und sich genussvoll zur Entfaltung zu bringen? Anderen wiederum erscheint die Aufgabe nahezu unmöglich. Wie löst man dieses Problem?

Der Mensch ist ein komplexes System, in dem das Unbewusste eine zentrale Rolle spielt. Oft sind es biografische Erlebnisse, die einen talentierten Menschen daran hindern, eine positive Entwicklung zu haben. Eine Öffnung zur Welt und eine aktive Dialogbereitschaft werden von Ängsten, Komplexen oder mangelndem Selbstwertgefühl verhindert. Diese werden als dauerhafte Informationen im Langzeitgedächtnis gespeichert. In Stresssituationen meldet sich das Unbewusste und greift auf Reaktionsmuster wie Verschlossenheit, Panik oder Selbstverlorenheit zurück.

Das Training für Musiker nach der A. Tomatis-Methode optimiert das Hörvermögen des Musikers, gleicht vorhandene Hörschwächen aus und führt zu besserer Körperwahrnehmung und psychischer Stabilisierung.

Die  Methode nach Tomatis ist ein auditives Hörtraining. Sie gründet auf Forschungen des französischen Hals-Nasen-Ohrenarztes Dr. Alfred Tomatis (1920-2001). Als Sohn eines Opernsängers stellte er in der intensiven Arbeit mit Kollegen seines Vaters immer wieder fest, dass „ die Stimme enthält als Obertöne nur die Frequenzen, die das Ohr hört.“ ( 1. Tomatis-Gesetz). In einem zweiten Schritt sangen die Sänger vor einem Mikrofon und hörten sich simultan über Kopfhörer, wobei ihr Gehör sich durch ein Zusammenwirken von Verstärken und Filtern verändert und verbessert wurde. Die Verbesserung des Hörens führte unmittelbaren zur Verbesserung ihrer Stimmen. Dies folgte dem 2. Tomatis-Gesetz: „ Gibt man dem Ohr die Möglichkeit, nicht mehr oder nicht gut wahrgenommene Frequenzen wieder korrekt zu hören, so treten diese augenblicklich und unbewusst wieder in der Stimme in Erscheinung“. Die veränderte Stimme verlangte automatisch eine andere Art den Mund zu öffnen, eine andere Zungenstellung, Atmung, Haltung usw.

Allerdings kamen die stimmlichen Probleme wieder, sobald die Kopfhörer abgesetzt wurde. Dank des technologischen Fortschritts konnte Tomatis das „Elektronische Ohr“ entwickeln. Nun war ein wiederholtes Hin-und Herkippen (Klangwippe) zwischen einem unteren und einem oberen Kanal mit verschiedenen eingestellten Verstärkern und Filtern für eine bestimmte Zeitdauer möglich. Dieses Verfahren führte zum Training, buchstäblich einer „Mikrogymnastik“ der Gehörmuskeln im Mittelohr. Durch die Anspannung der beiden Mittelohrmuskeln werden die mittleren und hohen Töne hervorgehoben, ähnlich wie die gut gestraffte Membran einer Pauke einen hohen Ton hervorbringt. Das Ergebnis von Versuchen mit dem Elektronischen Ohr war überaus positiv und ist Inhalt des 3. Tomatis-Gesetzes: „Die über eine bestimmte Zeitdauer wiederholte akustische Stimulation führt zur endgültigen Veränderung des Gehörs und folglich der Phonation“.

Tomatis Entdeckung über die Funktion der Mittelohrmuskulatur wird durch die moderne Neurobiologie bestätigt.

Dieses Training richtet sich an alle Sänger und Instrumentalisten, ebenso an Schauspieler und Sprecher.

Ziele des Hörtrainings für Musiker

  • Intensivierung der Hörwahrnehmung und Hörverarbeitung
  • Verbesserung der Intonation
  • Verbesserung der technischen Fähigkeiten
  • Steigerung der Klang- und  Stimmentfaltung
  • Erweiterung der Stimme
  • Verbesserung der Bewusstheit der Atemführung
  • Verbesserung des Spiel/Singgefühls
  • Optimierung der Fremdsprachintegration im Gesang
  • besserer Umgang mit Vorspiel-Situation
  • mögliche Verbesserung der Symptome bei Tinnitus
  • Beschleunigung des künstlerischen Reifungsprozesses

Ablauf

Das Training für Musiker nach der Tomatis-Methode beinhaltet zwei Hörtrainingsabschnitte.

Erster Hörabschnitt (10-12 Tage Dauer)

Vor Beginn des Hörtrainings erfolgt ein Hörtest und ein ausführliches Gespräch mit dem Hörtherapeuten. Die erste Hörphase wird ausgerichtet nach den Erkenntnissen des Hörprofils und ist von daher individuell.

Ziele:

  • Training der akustischen Aufmerksamkeit
  • Spannung des Mittelohrmuskelsystem
  • Training der Adaptationsfähigkeit des Gehörs
  • Stimulation der Körperwahrnehmung
  • psychische Entspannung

Pause von meist etwa vier bis sechs Wochen

Zweiter Hörabschnitt (10-12 Tage Dauer)

Hier erfolgt zwei Stunden täglich das Training der audio-vokalen Schleife. Der Klient singt, spielt oder spricht in das Mikrofon und hört sich selbst gleichzeitig über einen Kopfhörer. Der Musiker steigert seine Klangentfaltung und Körperwahrnehmung und verbessert seine Körperhaltung und sein Spielgefühl.

Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass die Sänger und Instrumentalisten nach dem Hörtraining beim Vorsingen oder Vorspiels körperbewusster und psychisch stabiler sind, d. h. sie sind entspannt und körperlich durchlässig. Sie haben eine gute Kontrolle über Atmung und Intonation, sie verfügen über eine bessere Koordination und Konzentration.  Energiefluss und Wille steigen, die kreative Realisation findet statt.

Das Trainingsprogramm wird individuell für jeden Klienten zusammen gestellt, einschließlich persönlichen Eigenschaften und Aufgaben.

Es ist möglich, das Hörtraining  mit der Hörtherapie zu verknüpfen.